Franz Woyzeck

- Franz Woyzeck (Albert Waßmann, Mittwoch:Theater 2007/08)
Guten Tag,
mein Name ist Erbsen Essen. - Äh - Pardon: Woyzeck, Franz, natürlich.
Ich bin ein einfacher Soldat und verdiene mir Extrageld durch Erbsen-Essen. Ja, Sie haben richtig gelesen: Erbsen-Essen! Ich verstehe das auch nicht so genau, aber der Doktor weiß schon, was er macht.
Ich habe eine Frau, sie heißt Marie. Allerdings - ich kann sie nicht heiraten, das Geld fehlt. Ich kann leider nicht so oft bei ihr und Christian sein, Christian ist unser Kind, auch ohne Ehe. Der Hauptmann sagt das so einfach: Woyzeck, Er hat keine Moral! - Aber was ist Moral? Es ist das Geld. Geld, Geld. Wer kein Geld hat.
Wir arme Leut' kennen keine Tugend. Ich hab' dem Hauptmann geantwortet: Der Herr sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen. - Ob er mich versteht? ... ich glaub, wenn wir in Himmel kämen, so müssten wir donnern helfen.
Seltsam, ich … ich weiß nicht was ich tun soll. Ich arbeite und arbeite und Marie wird mir immer fremder. Ich tu’ doch alles für sie, geb’ ihr alles, was ich hab’.
Ich bin zu schwach. Immer diese Erbsen, der Doktor quält mich. Ich konnte das Wasser nicht halten, was verlangt der Doktor von mir? Es ist die Natur, wenn man muss, dann muss man. Die Natur … ist wie … wie ... ach, ich weiß auch nicht.
Halt! Da ist es wieder. Die Freimaurer. Unter mir, über mir, sie sind überall. Hört Ihr sie auch? Diese Stimmen, sie treiben mich.
Nein! Ich will das nicht glauben, nein, der Hauptmann hat so Worte gesagt. Irgendwas von Marie und dem Tambourmajor. Marie?! Aber sie ist doch mein einziger Halt! Und der Tambourmajor…was findet sie an ihm? Sein Geld, seine Uniform? Es hat gefunkelt, die Ohrringe, die zwei, ich hab sie geseh’n. Sie sind von ihm. Diese Teufel … ich ertrag das nicht mehr. Entschuldigen Sie mich bitte, ich muss was tun, ich muss rennen, immer hetzen.
Franz Woyzeck - eine Kurzanalyse
Büchners Woyzeck ist ein Mann, dessen Leben von seiner Frau Marie, viel mehr aber noch von gesellschaftlichen Normen bestimmt wird, die in den Personen des Doktors des Hauptmanns und Andres symbolisiert sind. Woyzecks Leben gleicht dem in einer sich ständig wiederholenden Tragödie, in welcher der Protagonist aus Eifersucht seine Frau ermordet.
Bei näherer Betrachtung erkennt man jedoch, dass es um die Peinigung, Demütigung und Unterdrückung eines Menschen durch die Oberschicht geht. Woyzeck wird zum Opfer der Interessen und der Eigennützigkeit des Hauptmanns und des Doktors. Unfähig sich aus seiner Situation zu befreien oder Verbündete zu gewinnen, begeht Woyzeck den Mord an Marie, die ihn betrogen hat.