Aktuelle Fälle gefangener Christen
Agnes Bibi
Agnes Bibi, 52 Jahre alt und angesehene Frau in einem Gemeinderat des Bezirks Faisalabad, hatte einer anderen Frau bei einer Auseinandersetzung wegen Grundbesitz beigestanden. Diesen Grundbesitz hatten zwei Mitglieder einer "Land-Mafia" besetzt. Idress Gujar, politischer Gegner von Agnes Bibi im Gemeinderat, machte mit den zwei Mafiosi gemeinsame Sache, "um einer dahergelaufenen christlichen Frau eine Lektion zu erteilen" und beschuldigte Agnes Bibi der Blasphemie. Am 6.2.2011 nahm die Polizei Agnes Bibi fest. Es wurde ein Verfahren nach §295A vor dem Strafgerichtshof eröffnet.
Agnes Bibi war vor der Haft an Hepatitis C erkrankt, in der Zwischenzeit hat sie Darmgeschwüre und ist auch psychisch krank geworden. (Quelle: IGFM, Für die Menschenrechte, November 2011)
Babar Masih
Babar Masih, ein knapp 25 Jahre alter Christ aus Chichawatni, einem kleinen Dorf in der indischen Provinz Punjab, leidet seit sieben Jahren unter einer psychischen Erkrankung, die zu spontanen Wutausbrüchen und ausfälligem Reden führt. Eine Tatsache, die auch sein Bruder vor den Behörden bestätigte. Dennoch wird dem jungen Mann „Verletzung religiöser Gefühle“ zur Last gelegt. Während eines Anfalls, so Khurram Shehzad Maan, Anwalt des Europäischen Zentrums für Gesetz und Recht in Pakistan, habe Babar die Sterne angeschrien. Dies wurde ihm von radikalen Muslimen als Beleidigung des Propheten Mohammed ausgelegt. Obwohl der Polizei bewusst war, dass Babar Masih an einer psychischen Krankheit leidet, wurde er nicht in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, sondern in eine Gefängnisanstalt. Die drei einzigen christlichen Familien in dem kleinen Ort, die auch mit Baba verwandt sind, mussten zeitweise aus Angst vor Vergeltungsschlägen ihre Häuser verlassen. (Quelle: CSI Österreich Juni 2011)
Arif Masih
Der 40-jährige Christ Arif Masih wurde am 5. April 2011 wegen Blasphemie festgenommen und befindet sich in Lebensgefahr. (Quelle: Hoffnungszeichen Mai 2011)
Agnes Nuggo
Erst kürzlich wurde die Christin Agnes Nuggo in Faisalabad festgenommen und aufgrund des Blasphemiegesetzes angeklagt. Die 50-jährige Frau wurde nach einem Streit um ein Grundstück von ihren muslimischen Nachbarn beschuldigt, den Propheten Mohammed und den Islam beleidigt zu haben. Agnes Nuggo beteuert ihre Unschuld und gibt an, dass die Anschuldigungen frei erfunden seien. Man kann davon ausgehen, dass es sich um eine private Racheaktion handelt. (Quelle: Hoffnungszeichen April 2011)
Asiya Bibi
Die Polizei hatte die 38-jährige Tagelöhnerin am 19. Juni 2009 in dem Dorf Itanwali (Provinz Punjab) verhaftet, das sich 75 Kilometer westlich von der Millionenstadt Lahore entfernt befindet. Die auf der Farm des muslimischen Grundbesitzers Muhammad Idrees Beschäftigte wurde von drei muslimischen Arbeitskolleginnen beschuldigt, den Propheten Mohammed beleidigt zu haben. Hintergrund war offenbar ein persönlicher Streit zwischen ihr und den anderen Frauen um Trinkwasser an einem Brunnen. Wie schon häufiger verlangten ihre Kolleginnen, dass Bibi zum Islam wechselt; ansonsten könnten sie ihr Wasser nicht trinken. Eine Ungläubige habe es geholt, darum sei es «unrein». Eine hitzige Diskussion entbrannte, die irgendwann aber zu Ende ging.
Wenige Tage später stand die Meute, zusammen mit islamischen Geistlichen, vor der Tür der Familie, zerrte Bibi mit und sperrte sie ein. Über den Lautsprecher der Dorfmoschee wurde die inzwischen ausgeheckte Strafe verkündet: Man soll ihr Gesicht schwarz anmalen und sie auf einem Esel durch das Dorf führen. «Zu ihrer eigenen Sicherheit» brachte sie die Polizei aber vorher ins Gefängnis.
Christliche Gruppen baten die Behörden nun, den Fall auf sich beruhen zu lassen. Die Polizei erklärte aber, dass sie keine Wahl habe und die Mullahs den Fall vor Gericht bringen wollten. Ein Ministeriumssprecher wird zitiert mit den Worten: «Die Polizei war durch den moslemischen Mob unter Druck. Sie forderten, Asiya zu töten, weil sie schlecht über den Propheten gesprochen hat.»
Nach anderthalb Jahren im Kerker und mehrfach verschobenen Anhörungen und Entscheiden verurteilte sie der Oberste Gerichtshof von Lahore am 8. November 2010 zum Tode am Strang sowie zu einer Strafzahlung in Höhe von 30 Monatsgehältern.
Asiya Bibi hat beim Obersten Gericht in Lahore Widerspruch gegen das Todesurteil eingelegt. Ihr Ehemann Ashiq Masih, ein armer Ziegeleiarbeiter, ist mit den beiden 11 und 13 Jahre alten Töchtern – die ältere ist behindert – aus Furcht vor Übergriffen örtlicher Muslime untergetaucht. In Itanwali leben drei christliche Familien unter rund 1500 muslimischen.
Rehmat Masih
Der 85-jährigen Christ Rehmat Masih wurde vor sechs Monaten wegen angeblicher Blasphemie verhaftet. Um an ein Stück Land zu kommen, das Rehmat gehört, behaupteten zwei muslimische Brüder, der alte Mann habe sich abfällig über den Propheten Mohammed geäussert. (Quelle: CSI Dezember 2010)
Imran Ghafoor
Der 25-jährigen Imran Ghafoor aus Faisalabad sitzt ebenfalls wegen angeblicher Blasphemie im Gefängnis. Der Händler und Ladeninhaber hatte eines Morgens Abfall verbrannt und anschliessend nichts ahnend sein Geschäft verlassen. Als er zurückkam, war eine aufgebrachte Menschenmenge vor seinem Geschäft versammelt. Als sie ihn sahen, schlugen sie auf ihn ein, ein paar kräftige Männer schleppten den überraschten Mann zur Polizeiwache. Dort erfuhr Imran, dass sein muslimischer Nachbar Haji Liaqat behauptet hatte, im verbrannten Abfall habe sich ein Schriftstück mit Koranversen befunden. Nachdem Imran dafür eine 25-jährige Gefängnisstrafe kassierte, steht seine Familie vor dem Nichts. Auch Imrans fünf Geschwister müssen um ihr Leben fürchten. (Quelle: CSI Dezember 2010)
Rubina Bibi
Die Polizei in Ailpur hat die Christin Rubina Bibi wegen angeblicher blasphemischer Äußerungen gegen den Propheten Mohammed verhaftet und gefoltert. Die Festnahme wurde zudem geheim gehalten, um zu verhindern, dass Menschenrechtsgruppen auf den Plan gerufen werden. Als sich der zuständige Koordinator der All Pakistan Minorities Alliance (APMA) Khalid Gill nach der Frau erkundigte, wurde ihm gesagt, dass es keine auf deren Namen lautende Festnahme gegeben hat. Eine moslemische Frau hatte die Christen der Blasphemie beschuldigt.
Die Polizei weigert sich beharrlich gegenüber Menschenrechtsgruppen Informationen herauszugeben. Gegenüber Compass Direkt erklärte man den Fall als abgeschlossen und sagte, dass keine Informationen an Privatpersonen oder Nachrichtenagenturen ausgegeben würden.
Für Rubina Bibi birgt diese Anklage Lebensgefahr. Im Gegensatz zu Blasphemie gegen den Koran wo die Höchststrafe lebenslange Haft bedeutet, kann Blasphemie gegen den Propheten oder gegen Allah mit dem Tod bestraft werden.
Christliche Gruppen gehen davon aus, dass der Grund für die Beschuldigung in einem Streit zwischen Rubina Bibi und der moslemischen Frau liegt.
Ruqqiya Bibi und Munir Masih
Am 3. März 2010 wurden in Kasur Ruqqiya Bibi und ihr Ehemann Munir Masih zu 25 Jahren Gefängnis wegen „Verunglimpfung des Koran" nach §295B des pakistanischen Strafrechts verurteilt. Ihnen wurde vorgeworfen, im Dezember 2008 die hl. Schrift des Islam ohne vorherige rituelle Waschung berührt zu haben.
Qamar David
Am 25. Februar 2009 verurteilte ein Gericht in Karachi den Christen Qamar David ebenfalls zu 25 Jahren Gefängnis und 1170 Dollar Strafe, weil er angeblich im Mai 2006 blasphemische Textbotschaften verschickt hat. Der Anwalt von David erklärte gegenüber dem Nachrichtendienst Compass, dass die Verurteilung jeder Grundlage entbehre. 16 Zeugen sagten bei der Verhandlung, dass nicht David, sondern der islamische Besitzer des Handys Munawar Ahmad, durch den sie die Nachrichten erhalten hatten, schuldig wäre.
Am 15. März 2011 starb Qamar David im Zentralgefängnis von Karachi. Die Gefängnisbehörde behauptet, er sei an Herzversagen gestorben. Seine Familie ist jedoch davon überzeugt, dass der Gefangene ermordet wurde.
Imran Masih
Am 11. Januar 2010 verurteilte ein Gericht in der Millionenstadt Faisalabad den 26jährigen Christen Imran Masih wegen angeblicher Blasphemie zu lebenslanger Haft. Imran betreibt in Hajweri Town, einem Vorort von Faisalabad, ein Obstgeschäft. Als er am 1. Juli 2009 seinen Laden reinigte und überflüssige Papiere verbrannte, begann der muslimische Besitzer eines Nachbarladens laut zu schreien, dass Imran Seiten des Koran in Brand gesteckt habe und der Ungläubige getötet werden müsse. Daraufhin verprügelten herbeigeeilte Muslime den 26jährigen schwer, der dann durch die Verhaftung durch die angerückte Polizei vor dem Tod gerettet wurde. Gegenüber Vertretern christlicher Menschenrechtsorganisationen, die ihn in Faisalabad im Gefängnis besuchten, beteuerte Imran nochmals, dass er auf keinen Fall Seiten des Koran verbrannt habe. Nichtsdestoweniger erläuterte der Richter bei seinem Urteil, dass der angeklagte Koranseiten und ein arabisches Buch verbrannt habe, „um religiösen Hass zu entfachen und die Gefühle der Muslime verletzt habe."
Robert Fanish Mashi
Am 15. September 2009 wurde der christliche Jugendliche Robert Fanish Mashi erhängt in einer Gefängniszelle in Jethike, Sialkot (Punjab) aufgefunden. Nach Aussagen der Polizei handelte es sich um einen Selbstmord. Der junge Mann war wenige Tage zuvor wegen angeblicher Blasphemie festgenommen worden. Offensichtliche Zeichen der Folter und zahlreiche Verletzungen widerlegen die offizielle Selbstmord-Version.
Safian Masih
Am 8. August 2009 verlangte die Tochter eines Nachbarn vom 18-jährigen Safian Masih, ihr verschiedene Dinge aus einem Laden zu bringen. Er weigerte sich, woraufhin ihm das Mädchen eine Ohrfeige verpasste. Dann beging Safian einen fatalen Fehler: In einer unmittelbaren Reaktion schlug er zurück, und kurz darauf waren die Familien der beiden Jugendlichen in einen Streit verwickelt. Doch die Familie des Mädchens beließ es nicht bei einer Aussprache, sondern erzählte herum, dass Safian sie vergewaltigen wollte. Kurz darauf lauerte eine Gruppe von Moslems Safian auf, schlug ihn schwer zusammen und übergab ihn schließlich der Polizei, wo er auf freiem Fuß angezeigt wurde.
Zwei Tage später änderten die Muslime allerdings ihre Geschichte. Sie erzählten auf einmal, dass Safian Seiten aus einer dem Mädchen gehörenden Koran-Ausgabe gerissen hätte. Nachdem sich diese Anschuldigung herumgesprochen hatte, wurde Safian erneut von Moslems attackiert und so lange geschlagen, bis er die erfundene Blasphemie bestätigte. Daraufhin wurde er erneut zur Polizei gebracht, wo am 14. August 2009 ein zorniger Mob seinen Tod verlangte. Plötzlich war Safian nicht mehr wegen Vergewaltigung angeklagt, sondern wegen Blasphemie.
Hector Aleem
Hector Aleem, Direktor der pakistanischen Menschenrechtsorganisation Peace Worldwide, sitzt seit 2. Februar 2009 unschuldig im Gefängnis Adiala in Rawalpindi. Er hatte sich für Belange der christlichen Minderheit eingesetzt, zuletzt in einem Grundstücksstreit wegen einer Kirche in Islamabad vermittelt. (Das Gelände der vom Abriss bedrohten Kirche wird von der Stadtentwicklungsbehörde beansprucht.)
Am 22. Januar 2009 waren Polizeikräfte nachts um 1.30 Uhr in Hector Aleems Haus eingebrochen, holten ihn aus dem Bett, beschimpften und misshandelten Frau und Kinder, zerstörten christliche Bilder, verwüsteten die Zimmer, nahmen Wertsachen mit und führten den 55-Jährigen unzureichend bekleidet ab.
Die militante islamische Organisation Tehrik-e-Sunat hatte ihn wegen angeblicher blasphemischer SMS-Botschaften angeklagt. Nach eigenen Angaben benutzt Hector Aleem aber niemals SMS-Nachrichten.
Sein Sekretär Basharat Khoker wurde am 2. Februar verhaftet und gefoltert.
Obwohl der Richter öffentlich bekundete, dass er Aleem für unschuldig halte und sogar Muslime eidesstattliche Erklärungen für Aleem abgegeben hatten, wies der Richter am 27. April den Kautionsantrag zurück, nachdem Mullas im Gericht offen die Ermordung des Richters angedroht hatten, wenn er nicht in derem Sinne richte.
Aleems Frau und seine vier Kinder befinden sich wegen der von islamischen Klerikern ausgehenden Bedrohung inzwischen im Haus von Freunden.
Pastoren drohen Haftstrafen
Am 11. Mai 2009 eröffnete die örtliche Polizei Ermittlungsverfahren gegen die in Youngsnabad tätigen Pastoren Hafeez Gill, Fahim John, Maksud Ulkaq, gegen einen Katechisten der katholischen Kirche, der nur als Saqab identifiziert wurde und gegen die in Martinpur tätigen Pastoren Shahazad Kamarul-Zaman, Mumbarab Kuhram, Hanuk Daniel, Amar Sohail und einen weiteren Pastor, der im Polizeibericht unbenannt blieb. Die Polizei erklärte, die Christen hätten ihre Lautsprecher benutzt, um Nachrichten zu verbreiten, die den Islam beleidigen. Tatsächlich hatten sie die Lautsprecher eingesetzt, um in ihren mehrheitlich von Christen bewohnten Ortschaften am Ostersonntag 2009 aus ihren Kirchen Gebete und Predigten zu übertragen. Damit wollten sie besonders denjenigen Dorfbewohnern helfen, die nicht in der Lage waren, den Gottesdienst zu besuchen. In einigen christlichen Ortschaften ist dies gängige Praxis. Laut dem Vorsitzenden einer christlichen Jugendorganisation in Youngsnabad, Nasir Bahatti, hatte die Kirche eine Erlaubnis gehabt, die Gottesdienste mit Lautsprechern zu übertragen. Die Verhaftungen scheinen daher eher religiös motiviert zu sein. Außerdem wurden den Pastoren aus Youngsnabad bei ihrer Verhaftung am 16. Mai auf dem Weg zur Polizeistation angeboten, sie gegen Bezahlung eines Bestechungsgeldes auf freien Fuß zu setzen, was die Geistlichen aber zurückwiesen. Sie kamen wegen starker Proteste der christlichen Bevölkerung nach viereinhalb Stunden wieder frei. Trotzdem droht allen weiterhin eine Haftstrafe.
Pastor Shafique
Am 3. Februar 2009 wurden Pastor Shafique, sein jüngerer Bruder und deren Vater in der nordöstlichen Provinz Punjab wegen angeblicher Blasphemie inhaftiert. Sie werden in der Polizeistation von Baddomehli, Bezirk Narowal, ungefähr 100 km von Lahore entfernt, festgehalten. Einige Tage vorher hatten Schüler der staatlichen Schule in Narowal den jüngeren Bruder von Pastor Shafique beschuldigt, ein islamkritisches Pamphlet in seiner Tasche mit sich zu führen. Daraufhin hatten ihn die Schüler verprügelt. Der Vorfall wurde von den Leitern der College-Union an die zuständige Polizeistation gemeldet, die die drei Christen festnahm.
Arshad Masih
Der pakistanische Christ Iqbal Masih ist ein Missionar. Er machte Reisen, um die Frohe Botschaft Christi zu verkündigen. Doch Muslime, welchen ein Kontakt missfiel, meldeten ihn der Polizei. Bald darauf wurde der 37-jährige Sohn Iqbals, Arshad Masih, am 28. Dezember 2008 in Hajipura verhaftet und wegen Raubs angeklagt. Die anderen Angeklagten kamen gegen ein hohes Schmiergeld frei; Iqbal Masih konnte und wollte es nicht bezahlen (die Polizei lud ihn dazu ein).
Der Kläger gab später zu Protokoll, dass Arshad nicht an der Tat beteiligt gewesen war. Doch bevor die Nachricht, die seine Freilassung bedeutet hätte, im Gefängnis eintraf, wurde er wegen einer anderen Anzeige wegen Raubs „gegen Unbekannt" nach Sialkot überstellt.
Die Beamten hatten Arshad während mehrerer Tage gefoltert. Sie hängten ihn an den Füssen auf und brachen ihm mit Schlägen das Rückgrat. Später drohte man ihm mit dem Tod, sollte er die Folterer einklagen. Weil er nicht stehen konnte, sandte ihn das Gericht zur Untersuchung ins Spital.
Die Entwicklungsorganisation CDI, die sich für Arshad einsetzt, konnte nicht verhindern, dass er nach einem Aufenthalt im Spital von Lahore - wegen des Strafverfahrens ans Bett gekettet - am 20. Juni wieder ins Gefängnis gebracht wurde.
Arshad Masih ist verheiratet und hat drei Kinder. Weil er das Schulgeld für sie nicht mehr bezahlen kann, mussten sie die Schule verlassen. Seine Frau kann laut CDI nicht lesen und schreiben.
Younis Masih
Der zu dem Zeitpunkt 35-jährige pakistanische Christ Younis Masih, Vater von drei Kindern, war am 30. Mai 2007 wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Er hatte sich am 9. September 2005 bei einem Nachbarn wegen lautstarker Musik gegen Mitternacht beschwert. Dabei soll er das Qawali - ein mystisches islamisches Sufi-Lied - unterbrochen haben. Am nächsten Tag wurde er von etwa 40 Muslimen überfallen und bewusstlos geschlagen. Die Menge ließ erst von ihm ab, als sie ihn für tot hielt. Masihs Ehefrau Meena Masih, die ebenfalls geschlagen wurde, und ein Cousin brachten den schwer Verletzten nach Hause. Als er wieder bei Kräften war, zeigte er die Täter an. Seine Frau erklärte bei einer Pressekonferenz am 14. September 2005 in Islamabad, dass muslimische extremistische Organisationen die Christen der Region bedrohten, Häuser überfielen, Kirchen und Bibeln entweihten. "Wir fürchten um unser Leben und haben Angst, von Extremisten umgebracht zu werden." Strafanzeigen der Pakistanischen Minderheitenallianz (APMA) gegen die Täter nimmt die Polizei nur widerwillig auf. Die Täter beschuldigten Younis Masih nun, den Propheten Mohammed und den örtlichen Imam beleidigt zu haben. Das bestreiten Masih und seine Frau. Der islamische Geistliche, der die Feier abgehalten hatte, reichte Klage gegen Masih wegen Blasphemie ein.
Während des Gerichtsverfahrens wurden die Aussagen des Christen per Videoaufnahme in den Gerichtssaal übertragen, um seine Sicherheit zu gewährleisten. Der Anwalt des muslimischen Geistlichen, der die Klage gegen Masih eingereicht hatte, bedrohte nach Angaben der IGFM während des Prozesses den Verteidiger des Angeklagten, Parvez Aslam Choudry. Ein anonymer Anrufer hatte am 9. Juni 2007 dem Anwalt und dessen Mandanten mit der Ermordung gedroht.
Ein Gericht in Lahore im Osten Pakistans verurteilte Younis Masih am 30. Mai 2007 zum Tode wegen angeblich abfälliger Äußerungen über den Propheten Mohammed und entschied gleichzeitig, dass er zusätzlich eine Geldstrafe von umgerechnet 1.230 Euro zahlen muss. Younis Masih befindet sich im Kot Lakhpat Gefängnis in Lahore in Haft. Er wurde bisher zwei Mal von Mitgefangenen überfallen und schwebt weiter in der Gefahr, in der Haft von extremistischen Muslimen misshandelt oder umgebracht zu werden. Sein Berufungsverfahren ist anhängig.
Augustine Ashiq "Kingri" Masih
Am 29. Juni 2002 wurde der 25jährige Christ Augustine Ashiq "Kingri" Masih aus Sherabad der Verleumdung des Propheten Mohammed für schuldig befunden und vom Bezirksgericht in Faisalabad zum Tode verurteilt.
Er war 1998 zum Islam übergetreten, um ein muslimisches Mädchen zu heiraten. Nach islamischem Familienrecht darf eine muslimische Frau nämlich nur einen Moslem heiraten. Doch selbst nach dem Übertritt zum Islam durfte er das Mädchen nicht heiraten, weshalb er einige Monate später wieder zum Christentum übertrat. Nach Pakistanischem Recht kann zwar jeder Bürger seine Religion frei wählen, trotzdem werden Muslime, die dies tun, als Abtrünnige angesehen und sind großem sozialen Druck ausgesetzt.
Augustine Ashiq "Kingri" Masih wurde dann am 4. Mai 2000 der Blasphemie angeklagt und inhaftiert. Er war von Rana Mohammed Nisar, einem Bewohner Sherabads, angezeigt worden, weil er angeblich im Beisein von 4 Zeugen gesagt haben soll, dass er nur zum Islam übergetreten sei, um Ehebruch mit muslimischen Mädchen zu begehen. Dabei habe er auch gesagt: "Euer Prophet hat dies auch sehr gern getan". Nisar habe Kingri Masih daraufhin geschlagen, wobei mehrere Christen zur Hilfe geeilt seien und Nisar krankenhausreif geprügelt hätten. Muslime und Christen hätten sich daraufhin mit Steinen beworfen.
Zusätzlich zur nun verhängten Todesstrafe wurde von dem Gericht eine Geldstrafe von 50.000 Rupies (830 US$) erhoben. Kingri Masih bleibt jetzt nur noch die Hoffnung, dass das Oberste Gericht von Faisalabad das Urteil aufhebt, um dem Tod durch Erhängen doch noch zu entgehen.
Protestbriefe / Textvorschlag für einen Gruß an Kingri Masih / Anschriften für Protestbriefe
Walther Fazal Khan
Am 9. Mai 2007 wurde in Samanabad in der Nähe von Lahore der 84jährige Autohändler Walther Fazal Khan gemäß § 295 B des pakistanischen Strafgesetzbuches wegen Blasphemie angeklagt. Ihm droht lebenslange Haft. Khan hatte an einige Muslime Land im Wert von 2,5 Millionen Rupies verkauft und bot später weiteres Land zu 12,4 Millionen Rupies an. Nachdem er das Gebot von 8 Millionen Rupies potentieller Käufer ablehnte, beschuldigte ihn sein muslimischer Angestellter Raja Riaz, Seiten des Korans verbrannt zu haben. Mögliches Motiv für diese falsche Behauptung des Chauffeurs: Er wollte seinem Arbeitgeber Grundbesitz rauben. Als sich viele Muslime ,- von Radikalen aufgewiegelt - vor Khan Haus versammelt hatten, wurde Khan von der lokalen Polizei ohne weitere Untersuchungen festgenommen. Die 86jährige Ehefrau Khan wurde mit Gewalt zur Konversion zum Islam genötigt, Khans Besitz zur Koranschule erklärt. Ob Walter Khan gegen Kaution freikommen kann, ist fraglich.
Die Familie und Bekannte des Angeklagten betrachteten das Urteil von Anfang an als Verschwörung der enttäuschten Geschäftsleute. Am 19. Mai 2007 bestätigten über 100 Zeugen vor der Polizei die Unschuld von Walther Fazal Khan. Sie seien von "einigen Hetzern" dazu provoziert worden und hätten sich geirrt. Der Polizeichef von Lahore, Pervez Kandhari, hat inzwischen versprochen, den Fall neu untersuchen zu lassen.
Textvorschlag für einen Protestbrief an den pakistanischen Justizminister und die Botschaft von Pakistan
Yousaf Masih
Am 6.8.2005 wurde in Nowshera (Nordwet-Provinz) der 60jährige Putzer Yousaf Masih aufgrund der mutigen Entscheidung eines Richters gegen Kaution freigelassen. Der wegen Blasphemie angeklagte Christ soll bei der im Rahmen seiner Tätigkeit angeordneten Verbrennung von Papiermüll Seiten mit Koranversen verbrannt haben. Er tauchte inzwischen mit seiner Familie unter.
Ali Ashgar Bangalsai
Der Schneider Ali Ashgar Bangalsai, Vater von 8 Kindern, ist seit seiner Verhaftung im Jahr 2001 in Quetta (Belutschistan) verschwunden. In der Haft wurde er misshandelt und gefoltert. Seine Familie schwieg zunächst wegen der mehrfachen Androhung "schrecklicher Konsequenzen", entschloss sich aber im Juli 2005 zu einem öffentlichen Protest.
Pervaiz Masih
Am 1. April 2001 wurde der christliche Lehrer Pervaiz Masih von einem muslimischen Nachbarn wegen Blasphemie angezeigt und umgehend von der Polizei ins Bezirksgefängnis von Sialkot gebracht. Der 34jährige Gründer der Iqbal Memorial High School im Dorf Chelay Kay in der Provinz Punjab soll im Februar im Privatunterricht gegenüber drei muslimischen Schülern behauptet haben, der Prophet soll einmal gemäß Hadith-Überlieferung ein sechsjähriges Mädchen geraubt haben. Örtliche Quellen vermuten hinter der Anklage den Nachbarn Muhammad Ibrahim, dessen Privatschule weit weniger erfolgreich als die von Pervaiz ist. Pervaiz droht die Todesstrafe. Das Gericht in Sialkot hat am 15.3.2002 das Verfahren eröffnet.
Familienmitglieder durften ihn bisher nicht besuchen und fürchten auch im Gefängnis um seine Sicherheit. Ihre Befürchtungen haben sich leider inzwischen bewahrheitet: Pervaiz Masih wurde im Schlaf in seiner Zelle angegriffen. Ein anderer Häftling fiel über ihn her, schlug auf ihn ein, verletzte ihn schwer und zerriss seine Bibel. Der gesundheitliche und moralische Zustand von Pervaiz Masih ist kritisch und die Chancen auf einen fairen Prozess und einen positiven Prozessausgang sind gering, da die Richter von niederrangigen Gerichten Angst vor extremistischen Gruppen haben, die immer wieder Druck auf die beteiligten Richter und Anwälte ausüben.
Anwar Kenneth
Der 45jährige Christ Anwar Kenneth wurde am 18.7.2002 ebenfalls wegen Blasphemie zum Tode durch Erhängen verurteilt. Ein Gericht in Lahore erklärte, er habe "die Gefühle von Muslimen, Christen und Juden verletzt". Kenneth leidet bereits seit geraumer Zeit unter Zeichen geistiger Verwirrung.
Fozia Patrick und Farah Hameed, Saleem Sylvester, Jarvez Massih
Die beiden christlichen Lehrerinnen Fozia Patrick und Farah Hameed wurden wegen einer Liebesgeschichte an der katholischen Schule in Quetta zu 7 Jahren Haft verurteilt. Eine ihrer damals schon volljährigen Schülerinnen, Palwasha Nargis, war mit einem jungen christlichen Mathematik-Lehrer, Saleem Sylvester, durchgebrannt. Die beiden Lehrerinnen wurden darufhin beschuldigt, das Mädchen mit Cola, Drogen und schwarzer Magie gefügig gemacht und dem Jungen übergeben zu haben. Nach drei Monaten wurde das Paar aufgegriffen und das Mädchen seinen Eltern zurückgegeben. Es wurde seitdem unter Druck gesetzt, die gleiche Geschichte, die seine Verwandten angegeben hatten, zu erzählen, um die Ehre seiner Familie zu retten. Auch die Anwälte der Lehrerinnen wurden von der Familie unter Druck gesetzt - vier Anwälte hatten bereits das Mandat niedergelegt. Vor Weihnachten 2002 wurden Fozia Patrick und Farah Hameed vom Gericht in zweiter Instanz für unschuldig erklärt und freigesprochen. Fozia Patrick, die aus einer Mittelklassefamilie stammt, konnte in ihre Heimatprovinz zurückkehren und sich mit Hilfe ihrer Familie wieder in die Gesellschaft integrieren. Nicht so Farah Hameed: Sie kommt aus einer sehr armen Familie, kann nicht nach Quetta zurück, wo sie unterrichtet und wo sie alles verloren hat. Sie will in einer anderen Stadt ein neues Leben beginnen.
Die gute Nachricht ist leider noch nicht das Ende der Not. Nachdem das zivile Gericht die Aufnahme des Falles von Saleem Sylvester, dem Liebhaber, mit dem die 19-jährige muslimische Schülerin durchgebrannt war, abgelehnt hatte, weil jeglicher Straftatbestand fehlte, nahm ihn das Anti-Terror-Gericht in Quetta dagegen an. Der Terroristen-Gerichtshof veruteilte Saleem Sylvester zu 30 Peitschenhieben und lebenslänglicher Haft. Die Polizei hat außerdem seinen gesamten Besitz beschlagnahmt. Die Liebesgeschichte zwischen Saleem Sylvester und dem muslimischen Mädchen hat außerdem ein weiteres unschuldiges Opfer gefordert: Jarvez Massih, ein junger körperbehinderter Mann, der von einer "Sweeperfamilie" (sozial ganz unten stehende Berufsgruppe der Straßenkehrer) abstammt und an der Sacre-Coeur-Schule als Reinigungskraft gearbeitet hat, wurde vom gleichen Gericht zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in das Kidnapping involviert gewesen sein soll, obwohl es dafür überhaupt keine Beweise gibt. Beide sitzen im Much Jail, im berüchtigsten Gefängnis Pakistans. Der Oberste Gerichtshof in Islamabad hat leider inzwischen die Urteile von Saleem Sylvester und Jarvez Massih bestätigt.
Khalid Masih und Nasir Masih
Am 11. Januar 2001 wurden in Jacobabad die beiden Christen Khalid Masih und Nasir Masih, verhaftet. Ihnen wird ein Verstoß gegen das Blasphemiegesetz vorgeworfen. Die Ursache war wohl, dass sie geistliche Literatur unter der christlichen Bevölkerung verteilt haben. Durch die Anklage droht ihnen die Todesstrafe, obwohl sie nach achttägiger Haft gegen Zahlung einer Kaution vorläufig freigelassen wurden.
Shafique Masih
Shafique Masih wurde im November 1999 nach § 295 A in Faisalabad zu acht Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er im Mai 1998 zunächst nach § 295 C angeklagt wurde. Am 15.8.2000 wurde er freigelassen, konnte aber aus Sicherheitsgründen nicht mehr in seiner Heimatstadt wohnen und musste mit Frau und zwei Kindern in eine andere Region übersiedeln.
Anwer Masih
Anwer Masih, ein seit 24 Jahren in einer öffentlichen Schule im Distrikt Shiekhupura beschäftigter christlicher Lehrer, musste ebenfalls aus seinem Heimatdorf fliehen, weil er von einem Kollegen der Blasphemie beschuldigt wurde. Anwer soll den Namen des Propheten durch Aufschreiben auf dem Boden verunglimpft haben, was er bestreitet. Am 21.10.2000 wurde die Angelegenheit in der örtlichen Moschee besprochen und Anwer vor die Möglichkeit zum Übertritt zum Islam oder die Möglichkeit der Tötung gestellt. Anwer konnte mit seiner Frau und vier Kindern in einer anderen Gegend Unterkunft finden. Haus und Eigentum musste er zurücklassen.
Pater Arnold Heredia, Aslam Martin, Riaz Nawab
Am 10. Januar 2001 wurde in der Stadt Karachi eine friedliche Demonstration von der Polizei unter Einsatz von Tränengasgranaten und Schlagstöcken gewaltsam aufgelöst. Eine kleine Gruppe von Menschen verschiedener Religionen hatte friedlich mit Tafeln und Plakaten gegen das Blasphemiegesetz demonstriert und wollte zum Haus des Gouverneurs ziehen, um dort einen schriftlichen Appell zur Aufhebung des Blasphemiegesetzes abzugeben. 17 Personen wurden verhaftet, darunter drei Christen: der 60-jährige Pfarrer der St.Franziskus-Kirche in Karachi, Pater Arnold Heredia, seit 28 Jahren Aktivist für Religionsfreiheit bei der ökumenischen Initiative "Komitee für Gerechtigkeit und Frieden"; ein Christ namens Aslam Martin, Projektkoordinator desselben Komitees sowie der Caritas-Mitarbeiter Riaz Nawab. Am 16. Januar wurden die drei Christen und ein Moslem namens S.M. Haider gegen je 500 US-Dollar Kaution auf freien Fuß gesetzt, die anderen 13 blieben dagegen in Polizeigewahrsam.
Martha Bibi
Die Christin Martha Bibi (40 Jahre) hatte als Besitzerin eines kleinen Baumarktes in Kot Nanka Sing, etwa 40 km südlich der Großstadt Lahore (Provinz Punjab), Arbeitsgerät für den Bau einer Moschee ausgeliehen. Als sie die Materialien nach der vereinbarten Frist abholen wollte, wurde ihr als Christin das Betreten der Moschee verwehrt. In einem anschließenden Wortgefecht soll Martha nach Aussage einer Muslimin den Islam beleidigt haben. Sie wurde sie am 23. Januar 2007 wegen Blasphemie angezeigt und in Polizeigewahrsam genommen. Der für Blasphemievorwürfe zuständige Polizeisuperintendent hatte die Anzeige ohne weitere Ermittlungen unterschrieben.
Martha Bibi war seitdem im Bezirksgefängnis von Kasur. Mann und Kinder mussten sich verstecken. Im Juli 2007 kam sie zwar zunächst auf Kaution frei, wurde aber aufgrund von Protesten islamischer Gruppen wieder in Haft genommen. Bei einer Verurteilung droht der fünffachen Mutter die Todesstrafe.
Textvorschlag für einen Protestbrief an den pakistanischen Innenminister und die Botschaft von Pakistan